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Fachverband Ethik Baden Württemberg

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Körperkult 2: "Ich will nicht aussehen wie meine Mutter."

Veröffentlichung:1.1.2004

Das Medium setzt sich kritisch mit gesellschaftlichen Schönheitsidealen, der Schönheitsindustrie und der zunehmenden Bereitschaft auseinander, den eigenen Körper durch medizinische Eingriffe zu verändern. Ausgangspunkt ist eine Werbekampagne, in der weibliche Körper gezeigt werden, die durch digitale Bearbeitung einem nahezu unerreichbaren Schönheitsideal entsprechen. Der Text beschreibt, wie solche Bilder insbesondere bei Frauen und jungen Menschen Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper hervorrufen können. Gleichzeitig wird dargestellt, dass die moderne Schönheitschirurgie immer mehr Möglichkeiten eröffnet, den Körper an gesellschaftliche Vorstellungen anzupassen. Genannt werden unter anderem Veränderungen von Gesicht, Brust, Beinen und anderen Körperbereichen sowie Behandlungen mit Botox. Der Text verweist auf den Einfluss von Werbung, Fernsehen und prominenten Personen und beschreibt eine Entwicklung, bei der Individualität zunehmend durch die Orientierung an medialen Vorbildern ersetzt werde. Kritisch betrachtet werden zudem die wachsende gesellschaftliche Akzeptanz ästhetischer Eingriffe, gesundheitliche Risiken und die zunehmende Bereitschaft junger Menschen, den eigenen Körper operativ verändern zu lassen. Das Medium stellt damit grundlegende Fragen nach Menschenwürde, Individualität, Selbstbestimmung und gesellschaftlichem Druck. Im Zentrum steht die Frage, was geschieht, wenn der menschliche Körper zunehmend als veränderbares Produkt betrachtet wird und Schönheit zu einer gesellschaftlichen Erwartung wird.

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Das Medium eignet sich für den Religionsunterricht der Jahrgangsstufe 10 besonders für die Auseinandersetzung mit Menschenbild, Menschenwürde, Identität, Körperlichkeit, Selbstbestimmung, Freiheit und Verantwortung. Das Thema besitzt eine unmittelbare lebensweltliche Bedeutung für Lernende, da Jugendliche in ihrem Alltag regelmäßig mit medial vermittelten Vorstellungen von Schönheit konfrontiert werden. Soziale Medien, Werbung, Filme und die öffentliche Selbstdarstellung bekannter Personen können dazu beitragen, bestimmte Körperformen als besonders erstrebenswert erscheinen zu lassen. Das Medium ermöglicht eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Vorstellungen und eröffnet zugleich einen Zugang zu religiösen und ethischen Fragen nach dem Wert des Menschen.

Als Einstieg kann das im Text beschriebene Werbeplakat aufgegriffen werden. Die Lernenden können zunächst überlegen, welche Vorstellungen von Schönheit Werbung vermittelt und mit welchen Mitteln solche Vorstellungen erzeugt werden. Dabei kann zwischen realen Körpern und digital veränderten Darstellungen unterschieden werden. Anschließend lässt sich die Frage formulieren, weshalb Menschen sich mit Bildern vergleichen, von denen sie wissen, dass diese bearbeitet wurden. Auf diese Weise kann die Bedeutung von Selbstbild und Fremdbild erschlossen werden.

Für die Texterschließung bietet sich eine Unterteilung in thematische Abschnitte an. Die Lernenden können herausarbeiten, welche Ursachen der Text für die zunehmende Bedeutung von Schönheitsoperationen nennt. Gleichzeitig können Folgen und Risiken gesammelt werden. Eine strukturierende Übersicht mit den Kategorien Medien, Schönheitsindustrie, gesellschaftliche Erwartungen, persönliche Wünsche, gesundheitliche Risiken und ethische Probleme hilft dabei, die unterschiedlichen Ebenen der Argumentation voneinander zu unterscheiden.

Ein wichtiger Schwerpunkt sollte auf der Frage liegen, wie Schönheitsideale entstehen. Die Lernenden können untersuchen, ob Schönheit ausschließlich eine persönliche Vorstellung ist oder wesentlich durch gesellschaftliche und mediale Einflüsse geprägt wird. Dabei lässt sich herausarbeiten, dass bestimmte Vorstellungen durch ihre ständige Wiederholung als normal erscheinen können. Wenn in Werbung und sozialen Medien vor allem makellose und bearbeitete Körper gezeigt werden, kann der Eindruck entstehen, ein solcher Körper sei tatsächlich erreichbar und gesellschaftlich erwartet.

Daran anschließend bietet sich eine Auseinandersetzung mit dem Begriff der Selbstbestimmung an. Eine Schönheitsoperation kann zunächst als Ausdruck persönlicher Freiheit verstanden werden. Ein Mensch entscheidet selbst über seinen Körper. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie frei diese Entscheidung ist, wenn sie durch die Angst vor Ablehnung, durch gesellschaftliche Erwartungen oder durch den Vergleich mit medial dargestellten Körpern beeinflusst wird. Die Lernenden können auf diese Weise erkennen, dass Freiheit und gesellschaftliche Beeinflussung gleichzeitig vorhanden sein können. Die ethische Aufgabe besteht darin, die Bedingungen einer Entscheidung kritisch zu untersuchen.

Besonders geeignet ist das Medium für eine Auseinandersetzung mit dem christlichen Menschenbild. Die biblische Vorstellung des Menschen als Ebenbild Gottes kann der Vorstellung gegenübergestellt werden, der Wert eines Menschen hänge von Schönheit, Jugendlichkeit oder körperlicher Perfektion ab. Aus dem Gedanken der Gottebenbildlichkeit lässt sich ableiten, dass Menschenwürde nicht verdient oder durch körperliche Eigenschaften erworben werden muss. Ein Mensch besitzt Würde unabhängig davon, ob er einem gesellschaftlichen Schönheitsideal entspricht.

Dabei sollte jedoch vermieden werden, das christliche Menschenbild als einfache Ablehnung körperlicher Veränderungen darzustellen. Eine differenzierte ethische Betrachtung kann zwischen medizinisch notwendigen Eingriffen, der Behandlung körperlicher oder psychischer Belastungen und Eingriffen unterscheiden, die vor allem der Anpassung an ein gesellschaftliches Ideal dienen. Dadurch erkennen die Lernenden, dass eine ethische Beurteilung die Motive, Folgen und konkreten Lebenssituationen berücksichtigen muss.

Methodisch bietet sich eine Fallarbeit an. Ein fiktiver Jugendlicher oder eine fiktive Jugendliche könnte beispielsweise mit dem eigenen Aussehen unzufrieden sein und nach dem Schulabschluss eine Schönheitsoperation planen. Die Lernenden untersuchen die Situation anhand der Kriterien Selbstbestimmung, Menschenwürde, gesundheitliches Risiko, gesellschaftlicher Einfluss, persönliche Motivation und Verantwortung. Anschließend entwickeln sie begründete Handlungsmöglichkeiten. Durch die Verwendung einer fiktiven Person wird vermieden, dass Lernende persönliche Unsicherheiten bezüglich ihres eigenen Körpers offenlegen müssen.

Eine weitere Methode ist eine strukturierte Diskussion zu der These „Jeder Mensch darf mit seinem Körper machen, was er möchte“. Eine Gruppe sammelt Argumente, die sich auf Selbstbestimmung und Freiheit beziehen. Eine weitere Gruppe untersucht gesundheitliche und soziale Risiken. Eine dritte Gruppe entwickelt Argumente aus der Perspektive des christlichen Menschenbildes. Anschließend werden die Argumente miteinander verglichen. Dabei sollte nicht das Gewinnen einer Diskussion im Vordergrund stehen, sondern die Qualität der Begründungen.

Das Medium eignet sich außerdem für eine medienethische Erweiterung. Lernende können untersuchen, welche Verantwortung Werbung und Medien bei der Darstellung menschlicher Körper besitzen. Dabei können aktuelle Formen digitaler Bildbearbeitung und Filter einbezogen werden. Besonders interessant ist die Frage, ob die Kennzeichnung stark veränderter Bilder zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit Schönheitsidealen beitragen könnte.

Auch der Begriff der Individualität bietet einen wichtigen Zugang. Der Text stellt die These auf, dass eine zunehmende Orientierung an prominenten Vorbildern individuelle Besonderheiten zurückdrängen könne. Die Lernenden können diskutieren, ob körperliche Individualität einen Wert besitzt und weshalb Menschen dennoch versuchen, bestimmten Vorbildern ähnlich zu sehen. Diese Fragestellung kann mit der religiösen Vorstellung von der Einzigartigkeit jedes Menschen verbunden werden

Bei der unterrichtlichen Behandlung ist besondere Sensibilität erforderlich. Aussehen, Körpergewicht, körperliche Entwicklung und Selbstwahrnehmung können für Jugendliche sehr persönliche Themen sein. Der Unterricht sollte deshalb keine Bewertung konkreter Körperformen vornehmen. Ebenso sollten Lernende nicht aufgefordert werden, ihre eigenen körperlichen Unsicherheiten oder Wünsche nach Veränderungen offenzulegen. Gegenstand der Analyse sind gesellschaftliche Vorstellungen, Medienbilder und ethische Argumente.

Das Medium eignet sich schließlich besonders für die Vorbereitung einer Klausur. Aufgaben aus dem ersten Anforderungsbereich können die Wiedergabe zentraler Aussagen verlangen. Im zweiten Anforderungsbereich können Lernende die Argumentation des Textes analysieren oder unterschiedliche Menschenbilder vergleichen. Im dritten Anforderungsbereich können sie Schönheitsoperationen oder mediale Schönheitsideale anhand ethischer Kriterien beurteilen und eine begründete eigene Position entwickeln.


Prüfungsfragen für eine Klausur in Klasse 10 mit Musterantworten


Aufgabe 1: Fassen Sie die wesentlichen Aussagen des Mediums zusammen.

Musterantwort:

Das Medium beschäftigt sich kritisch mit der zunehmenden Bedeutung gesellschaftlicher Schönheitsideale und Schönheitsoperationen. Ausgangspunkt ist Werbung, die digital bearbeitete Körper zeigt, die in der Realität kaum vorkommen. Solche Darstellungen können dazu führen, dass Menschen ihren eigenen Körper als unzureichend wahrnehmen. Gleichzeitig bietet die Schönheitschirurgie immer mehr Möglichkeiten, das eigene Aussehen zu verändern. Der Text beschreibt eine zunehmende gesellschaftliche Akzeptanz solcher Eingriffe und verweist auf den Einfluss von Werbung, Fernsehen und prominenten Personen. Besonders kritisch wird betrachtet, dass auch junge Menschen über Schönheitsoperationen nachdenken. Der Artikel warnt außerdem vor gesundheitlichen Risiken und vor einem möglichen Verlust von Individualität.


Aufgabe 2: Erläutern Sie, wie Medien und Werbung nach Darstellung des Textes Schönheitsvorstellungen beeinflussen können.

Musterantwort:

Medien und Werbung zeigen häufig Körper, die einem bestimmten Schönheitsideal entsprechen. Dabei können Bilder digital verändert werden, sodass Haut, Körperformen oder Proportionen besonders makellos erscheinen. Obwohl Menschen wissen können, dass solche Bilder bearbeitet sind, vergleichen sie sich möglicherweise dennoch mit ihnen.


Durch die häufige Wiederholung bestimmter Körperbilder kann der Eindruck entstehen, diese seien normal oder besonders erstrebenswert. Menschen können dadurch mit dem eigenen Körper unzufrieden werden. Medien beeinflussen somit nicht nur Vorstellungen davon, was schön ist, sondern möglicherweise auch die Wahrnehmung des eigenen Körpers.


Aufgabe 3: Analysieren Sie, welches Menschenbild im Text im Zusammenhang mit der Schönheitsindustrie kritisch dargestellt wird.

Musterantwort:

Der Text kritisiert ein Menschenbild, bei dem äußere Schönheit und körperliche Perfektion einen hohen Stellenwert besitzen. Der Körper erscheint dabei als etwas, das beliebig verändert und optimiert werden kann. Einzelne körperliche Merkmale werden als Fehler betrachtet, die durch medizinische Eingriffe beseitigt werden sollen.

Zugleich beschreibt der Text eine Orientierung an bekannten Personen. Menschen wünschen sich beispielsweise bestimmte körperliche Merkmale prominenter Vorbilder. Dadurch kann Individualität an Bedeutung verlieren.

Das kritisierte Menschenbild verbindet den Wert und die gesellschaftliche Anerkennung eines Menschen stark mit seinem äußeren Erscheinungsbild. Der Text stellt dem indirekt die Forderung nach Menschenwürde und Individualität gegenüber.


Aufgabe 4: Vergleichen Sie das im Medium kritisierte Schönheitsideal mit dem christlichen Verständnis der Menschenwürde.

Musterantwort:

Das im Medium kritisierte Schönheitsideal verbindet gesellschaftliche Anerkennung stark mit körperlicher Attraktivität. Der Körper wird als veränderbar und optimierbar betrachtet. Schönheit kann dadurch als Leistung erscheinen, die ein Mensch erbringen muss.

Das christliche Verständnis der Menschenwürde setzt an einem anderen Punkt an. Nach christlicher Vorstellung besitzt jeder Mensch unabhängig von Aussehen, Alter und körperlicher Leistungsfähigkeit eine grundlegende Würde. Die biblische Vorstellung des Menschen als Ebenbild Gottes verdeutlicht, dass der Wert eines Menschen nicht erst durch körperliche Perfektion entsteht.

Während das kritisierte Schönheitsideal somit Unterschiede zwischen vermeintlich perfekten und unvollkommenen Körpern erzeugen kann, betont das christliche Menschenbild die grundlegende Würde und Einzigartigkeit jedes Menschen.


Aufgabe 5: Erläutern Sie den Zusammenhang zwischen Selbstbestimmung und gesellschaftlichem Druck am Beispiel von Schönheitsoperationen.

Musterantwort:

Eine Schönheitsoperation kann zunächst als Ausdruck von Selbstbestimmung verstanden werden. Menschen können grundsätzlich selbst darüber entscheiden, wie sie mit ihrem Körper umgehen möchten.

Gleichzeitig entstehen Entscheidungen nicht unabhängig von gesellschaftlichen Einflüssen. Werbung, Medien, Freundeskreis und gesellschaftliche Erwartungen können Vorstellungen davon vermitteln, welcher Körper als attraktiv gilt. Wenn ein Mensch eine Operation vor allem deshalb durchführen lässt, weil er Angst vor Ablehnung hat oder einem bestimmten Ideal entsprechen möchte, stellt sich die Frage nach dem Grad seiner Selbstbestimmung.

Selbstbestimmung bedeutet deshalb nicht nur, eine Entscheidung treffen zu dürfen. Sie verlangt auch die Fähigkeit, die eigenen Motive und äußeren Einflüsse kritisch zu reflektieren.


Aufgabe 6: Erörtern Sie die Aussage: „Schönheitsoperationen sind ausschließlich Privatsache, weil jeder Mensch selbst über seinen Körper bestimmen darf.“

Musterantwort:

Für die Aussage spricht das Recht auf Selbstbestimmung. Der eigene Körper gehört zum persönlichen Lebensbereich. Erwachsene Menschen sollten deshalb grundsätzlich Entscheidungen über ihr Aussehen treffen dürfen. Ein Verbot könnte als Einschränkung persönlicher Freiheit verstanden werden.

Gegen die Aussage spricht, dass Schönheitsoperationen nicht ausschließlich individuelle Folgen besitzen. Medizinische Eingriffe können gesundheitliche Risiken verursachen. Außerdem verdienen Unternehmen und medizinische Einrichtungen Geld mit dem Wunsch nach körperlicher Veränderung. Dadurch können wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen. Hinzu kommt der Einfluss gesellschaftlicher Schönheitsideale.

Aus ethischer Perspektive sollte deshalb sowohl die persönliche Freiheit als auch die Verantwortung berücksichtigt werden. Eine selbstbestimmte Entscheidung setzt voraus, dass Menschen ausreichend informiert sind, gesundheitliche Risiken kennen und ihre eigenen Motive kritisch prüfen können.


Aufgabe 7: Beurteilen Sie die Aussage „Individualität ist out, Hollywood in“ unter Berücksichtigung des christlichen Menschenbildes.

Musterantwort:

Die Aussage kritisiert eine Entwicklung, bei der Menschen versuchen, bekannten Schönheitsvorbildern möglichst ähnlich zu werden. Dadurch können individuelle körperliche Merkmale als störend wahrgenommen werden.

Aus christlicher Perspektive besitzt Individualität eine besondere Bedeutung, weil jeder Mensch als einzigartiges Geschöpf verstanden werden kann. Der Wert eines Menschen hängt nicht davon ab, wie ähnlich er einem gesellschaftlichen Ideal oder einer prominenten Person sieht.

Gleichzeitig ist der Wunsch, attraktiv zu sein oder das eigene Aussehen zu verändern, nicht automatisch mit einer Missachtung der Menschenwürde gleichzusetzen. Entscheidend ist, aus welchen Gründen eine Veränderung vorgenommen wird und welche Bedeutung das Aussehen für das eigene Selbstwertgefühl besitzt.

Aus christlicher Perspektive lässt sich daher besonders kritisch betrachten, wenn Menschen glauben, ihren eigenen Wert durch die Anpassung an ein fremdes Schönheitsideal steigern zu müssen.


Aufgabe 8: Nehmen Sie begründet Stellung zu der Frage, ob Schönheitsoperationen mit dem christlichen Menschenbild vereinbar sein können.

Musterantwort:

Das christliche Menschenbild führt nicht automatisch zu einer Ablehnung jeder körperlichen Veränderung. Medizinische Eingriffe können beispielsweise notwendig sein, um körperliche Funktionen wiederherzustellen oder erhebliches Leiden zu vermindern. Auch ästhetische Wünsche müssen zunächst ernst genommen werden.

Gleichzeitig betont das christliche Menschenbild die Würde und Einzigartigkeit jedes Menschen. Problematisch wird eine Schönheitsoperation deshalb insbesondere dann, wenn ein Mensch seinen eigenen Körper grundsätzlich ablehnt, weil er gesellschaftlichen Schönheitsvorstellungen nicht entspricht.

Für eine ethische Beurteilung sind daher die Motive, mögliche gesundheitliche Folgen, der Grad der Selbstbestimmung und die Bedeutung des Eingriffs für die betroffene Person zu berücksichtigen. Eine Schönheitsoperation kann mit dem christlichen Menschenbild vereinbar sein, wenn die Würde des Menschen gewahrt bleibt und der Körper nicht lediglich als beliebig optimierbares Produkt betrachtet wird.


Aufgabe 9: Entwickeln Sie Kriterien für einen verantwortungsvollen Umgang mit medialen Schönheitsidealen.

Musterantwort:

Ein erstes Kriterium ist Medienkritik. Menschen sollten wissen, dass Werbebilder und Darstellungen in sozialen Medien bearbeitet oder gezielt inszeniert sein können. Ein zweites Kriterium ist die Menschenwürde. Der Wert eines Menschen darf nicht von seinem Aussehen abhängig gemacht werden.

Ein weiteres Kriterium ist die Selbstbestimmung. Menschen sollten eigene Vorstellungen entwickeln können, statt gesellschaftliche Ideale unkritisch zu übernehmen. Dazu gehört die Fähigkeit, die eigenen Motive zu reflektieren. Auch gesundheitliche Verantwortung ist wichtig. Körperliche Veränderungen sollten nicht vorgenommen werden, ohne mögliche Risiken zu berücksichtigen.

Aus christlicher Perspektive kommen Selbstannahme und die Anerkennung der Einzigartigkeit des Menschen hinzu. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Schönheitsidealen bedeutet daher, mediale Bilder kritisch zu hinterfragen, unterschiedliche Körper anzuerkennen und Schönheit nicht zum Maßstab für Menschenwürde und persönlichen Wert zu machen.


Aufgabe 10: Gestalten Sie ausgehend vom christlichen Menschenbild fünf Grundsätze für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem eigenen Körper und begründen Sie diese.

Musterantwort:

Ein erster Grundsatz lautet, den eigenen Wert nicht allein vom Aussehen abhängig zu machen. Die christliche Vorstellung der Gottebenbildlichkeit begründet Menschenwürde unabhängig von körperlicher Schönheit.

Ein zweiter Grundsatz besteht darin, den eigenen Körper verantwortlich zu behandeln. Freiheit über den eigenen Körper schließt die Verantwortung für Gesundheit und mögliche Folgen von Eingriffen ein.

Ein dritter Grundsatz ist die kritische Prüfung von Schönheitsidealen. Werbung und Medien können unrealistische Vorstellungen vermitteln, die nicht zum Maßstab für die Bewertung der eigenen Person werden sollten.

Ein vierter Grundsatz betrifft die Anerkennung von Individualität. Unterschiede zwischen Menschen sind nicht automatisch Mängel, die beseitigt werden müssen.

Ein fünfter Grundsatz verbindet Selbstbestimmung und Selbstannahme. Menschen dürfen Entscheidungen über ihren Körper treffen. Gleichzeitig sollten sie prüfen, ob eine gewünschte Veränderung tatsächlich ihrem eigenen Wunsch entspricht oder hauptsächlich aus gesellschaftlichem Druck entsteht. Ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Körper verbindet deshalb Freiheit, Menschenwürde, Selbstannahme und Verantwortung.

Hessen

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Sekundarstufe II | Q3 Ethik – die Frage nach Gut und Böse

Q3.4 Herausforderungen für Kirche und Ethik durch neue Erkenntnisse in Biologie und Medizin.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.3 Das Leben verantworten: Grundfragen medizinischer Ethik.

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